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Törnbericht
mit der Stray Cat von Holland zum östliche Mittelmeer



1. 1. April 1989 7.00 Uhr Ortszeit, Workum Holland
Wetterbericht N/E 4-5
Wir laufen aus in Richtung Türkei. Dass das kein Aprilscherz ist, glaubt schon lange keiner mehr. Die Wohnung ist aufgelost, Möbel und Auto verkauft oder bei den Eltern untergestellt. Was noch übrig ist, wird mit 300 Konserven, Unmengen an Tütensuppen, Getränken und Anziehsachen im Schiff verstaut. Unser Tiefgang ist nun um 10 cm auf 1,75m angestiegen. Wir fahren zu 3 Segelbooten: die Sueno. mit Thomas u. Martina, die Merlin mit Jürgen und Christoph, und wir Dagmar u. Thomas mit der Stray Cat. Das Ijsselmeer empfängt uns mit einer moderaten Backstagsbrise, nur leider sind unsere Masten gelegt und so eiern wir in Richtung Süden. Bei der Schleuse in Enkhuizen wird das Riggpaket noch einmal nachgezogen. Nach 8 Std. Fahrt sind wir dann in Muiden. Wir fahren noch etwas auf der Vecht weiter, um einen Platz für die Nacht zu finden.
Der nächste Tag ist ein Sonntag. Da noch keine Saison ist, bleiben die Brücken geschlossen. Am 3. Tag geht es dann mit Volldampf Richtung Utrecht. Nachmittags fällt dann auf der Sueno das Getriebe aus "kein Rückwärtsgang" mehr. Wir tasten uns noch bis Maarssen vor, wo es eine Werft gibt. Wir auf der Stray Cat haben Probleme mit dem Tiefgang. 4 Tage liegen wir bei der Werft fest, als Abwechselung haben wir noch einen Schneesturm. Ansonsten ist Abwarten und Grogtrinken angesagt. Dann geht es doch weiter. Über den Amsterdam-Rheinkanal zum Waal bei Tiel. Von dort aus Wildwasserfahrt nach St. Andries. Nach der Schleuse gibt es wieder glattes Wasser. Die Maas ist der erste Fluss, den wir hinaufklettern müssen. Kurz vor dem Baggerloch von Lith passiert es dann: auf der Sueno fällt der Motor aus. Wir schleppen die Beiden in den Jachthafen Von Lith. Beim Startversuch im Hafen ist sofort klar, dass im Motor einige Teile lose sind, die normalerweise dem Schiff den Vortrieb geben sollen. Am nächsten Tag wird mit Hilfe des Hafenmeisters und seines Telefons einiges in die Wege geleitet. AT . Motor, Werkstatt, Versicherung usw. Nachmittags ist der alte Motor ausgebaut und der neue Motor ist schon da. Bei dem ganzen Frust hat nun doch noch etwas zügig geklappt. Wir bauen die ganze Nacht die Nebenaggregate um. Und 48.Std. nach Ankunft, kann die Trintella wieder aus eigener Kraft ihre Runde im Hafen drehen. Abends wird das ganze noch gefeiert aber schon bald verschwinden alle in ihre Kojen. Ja, so eine gebrochene Kurbelwelle kann schon sehr anstrengend sein. Von nun an verläuft die Fahrt reibungslos, wenn man vom schlechtem Wetter und Gegenstrom einmal absieht. Stellenweise kommt die kleine Merlin mit ihrem 10 PS Motor kaum unter den Brücken durch. Die Abstände zwischen den Schleusen werden immer kürzer, das Hochwasser immer höher, die ehemaligen Treidelpfade stehen unter Wasser. Ab und zu guckt mal eine Parkbank heraus. Von Maastricht in Belgien befahren wir meistens einen Kanal. Die Maas verläuft parallel dazu. Die Kilometer fliegen nur so vorbei, weil wir im Kanal keine Strömung haben. Am 17.April klarieren wir dann bei Giuet ein. Endlich Frankreich.
Es folgt eine schöne Strecke Richtung Campagne und durch die Ardennen. Orte mit klangvollen Namen wie Sedan, Mouzon, Verdun. In Toul biegt der Kanal de L'Est nun rechts ab, links herunter heißt es schon Mosel. Für uns Kanal de L'Est, auf nach Epinal. Schon oft hat man diesen Namen gelesen, in anderen Berichten .Wer diese Strecke einmal gefahren ist, kann den Namen nicht mehr aus seinem Gedächtnis streichen. Wir kommen Nachmittags an und fragen uns, ob wir heute noch geschleust werden. Wir werden. Abends sind wir schon auf der Scheitelhaltung. Fazit heute : 32 Schleusen an einem Tag. Am nächsten Tag geht es weiter, nun bergab, die. Festmacher werden nun nicht mehr so strapaziert, aber die Schleusen werden nicht wie beim Aufstieg von einzelnen Schleusenwärtern bedient, sondern der Schleusenwärter fahrt immer mit dem Moped oder Fahrrad nebenher. Der arme Kerl ist schier im Stress und es regnet Schnürriemen. Kurzerhand fährt Jürgen von der Merlin auf dem Moped mit, so können wir unseren Tagesrekord auf 34 Schleusen erhöhen. Abends sind wir in Fontenoy-le-Chateau und sehen zum ersten mal ein paar Sportboote, die in unsere Richtung fahren. Bei Corre unserer nächsten Etappe, haben wir dann erneut 3 Tage Aufenthalt. Diesmal wegen Hochwasser. Wir nutzen den Müßiggang zum Angeln, aber außer einem Schuh fangen wir nichts. Die Saone ist ein reißender Fluss. Die Schleusen sind zum Teil geschlossen und man fährt über die abgesenkten Wehre. Der Fluss ist so hoch über die Ufer getreten, das manche Häuser bis zum 1. Stock im Wasser stehen. Wir schießen nur so zu Tal. Nach 5 Tagen sind wir schon in Lyon, wo schon richtiges Mittelmeerwetter ist. Hier legen wir nochmals eine kurze Pause ein. Die 1. Post von daheim wird abgeholt. Wir besichtigen den Dom und machen die ersten Bekanntschaften mit anderen Yachties.  Die gefürchtete Rhone ist dann nur noch ein Klacks, rund 4 Tage später sind wir in Port St. Louis am Mittelmeer. Von Sueno und Merlin hatten wir uns schon in Lyon verabschiedet da beide Schiffe durch den Sete-Kanal in Richtung Spanien wollen. In Port St. Louis überstürzte sich wieder alles. Kaum angekommen ist auch schon der Kran frei und am Abend des 11. Mai steht unser Spargel wieder da, wo er hingehört. Nun können wir uns an Deck wieder aufrecht bewegen. Natürlich sind wir nun ganz versessen darauf zu segeln. Aber der nächste Tag wird zum Putzen und Aufklarieren benötigt. Am 13.April haben wir dann Premiere im Mittelmeer, aber wie das am 13 so ist, kommt abends ein Mistral auf. wir müssen unsere schöne Ankerbucht hinter der Insel Friole verlassen und in den sicheren Hafen gehen. Auch der nächste Tag ist nicht zum Eingewöhnen geeignet, so das wir erst am 15.5. zu den Calangues segeln können. Wir haben schon eine Postkarte von diesen Fjordartigen Buchten, mit ihrem grünen, glasklaren Wasser gekauft. Das wollen wir auf jeden Fall sehen. Das Wetter ist schon wunderbar warm und sonnig, so das man auch schon schwimmen gehen kann. Am 23.Mai wollen wir dann nach Porto Cros, eine kleine verschlafenen Insel. Bei der Insel Porquerolles bekommen wir dann 37 Knoten Wind auf die Nase, müssen abdrehen und in die Marina von Pocuerolles. Schade um das schöne Geld, aber die Marinas sind noch nicht so teuer, wie in der Hauptsaison. So wird unsere Urlaubskasse nicht zu sehr strapaziert. Später hangeln wir uns dann an der französischen Küste entlang, Cannes, Antibes, Nizza, Menton, wir finden immer gute Ankerplätze. Nach dem Einklarieren in San Remo Marina - eine Nacht Nacht
80 DM/10 Meter - laufen wir aus nach Korsika. Das Wetter ist gut nur der Wind ist sehr schwach. Abends bekommen wir dann Monaco-Radio mit Wetterbericht SE 6-7. Zum Umkehren sind wir zu weit vom Land entfernt. Südost 6-7 ist ja noch kein Sturm, allerdings haben wir noch ein paar Meilen und die Nacht vor uns. Der Wetterbericht ist uns dann doch etwas auf den Magen geschlagen, das Abendessen, zwei Fische, fliegen ungebraten über Bord. 18 Uhr Totenflaute, wir motoren mit 5,5kn. in Richtung Cap Corse;
plötzlich von allen Seiten Tümmler, sie spielen vor dem Bug und springen wie verrückt. Unsere ersten Delphine und dann direkt so eine Schau. Wir motoren die ganze Macht mit Autopilot. Morgens um 3 Uhr beginnt Dagmar's Wache wir motoren schon gegen eine kräftige Dünung an. 10 Minuten später setzt der Wind ein. 10 kn. wir setzen Groß und Genua 1. Kaum ist alles oben, schon ist es zufiel und die Arbeit fängt an, Genua 3, dann Reff 1, Reff 2, und zuletzt wird die Genua 3 durch die Sturmfock 1 ersetzt die Wellen werden so hoch, das wir nicht mehr gegen ankreuzen können. Der Wind ist konstant über 30 kn. In den Böen darüber. Wir entscheiden uns daher die Leeküste anzulaufen und dicht um Cap Corse nach Maccinagio zu segeln, da von dort der Wind kommt. Wir wenden Ich leg mich aufs Ohr. Nach ca. 2 Stunden. segeln wir unter der Leeküste. Mittlerweile ist ;es hell. Der Wind ist auch weniger, dafür aber noch böiger geworden. Wenn die Böen die steilen Klippen hinunterstürzen, spritzt das Wasser nach allen Seiten. Segeln wird unmöglich, wir schauen in die Seekarte, bis Maccinagio 15 sm, St, Florent 30 sm. Wir entscheiden bis zum Cap dicht unter der Küste zu motoren, danach müssten wir einen Anlieger segeln können. Also Zähne zusammen beißen und los. Am 30. Mai ca. 11 Uhr laufen wir in Maccinagio ein. Das trockenste an Bord ist der Sherry. Wir sind total kaputt, und verschwinden sofort in den Kojen. Ein bisschen stolz natürlich auch. Am übernächsten Tag segeln wir weiter nach Bastia. Hier bleiben wir fast zwei Wochen, denn wir warten auf Post von zu Hause. Wir lernen Manfred und Waltraud von der Sven kennen. Auch TO Segler und schon seit 5 Jahren im Mittelmeer. Sie wollen im Winter in die Karibik oder nach Südamerika. Wir segeln ein Stück zusammen nach Elba, und Porto Azzuro.
Dann heißt es wieder Abschied nehmen, denn wir wollen zum italienischen Festland: Porto Ercole und Fiumicino. Von Fiumicino fahren wir für einen Tag nach Rom. Nach einem Tag Großstadt sind wir froh, wieder auf dem Schiff zu sein, so ein Gedränge sind wir auf dem Wasser nicht mehr gewöhnt. Wir haben in Rom auch alles gesehen was uns interessierte. Die Reise geht weiter über Iskia (fest in deutscher Hand), Ventotente, Ponza, wo wir uns Grotten mit unserem Dingi angucken, Capri lassen wir links liegen, zu voll und zu teuer, weiter nach Acciaroli. Denn geht es zu den Liparischen Inseln. Den Vulkan Stromboli dort zu sehen, war schon immer ein Traum von uns. Nur leider müssen wir die ganze Strecke motoren "Gott schütze unseren Autopilot". Auf der Insel Vulcano nehmen wir dann noch ein
Schlammbad und verbrennen uns die Füße im Meer. Bei den heißen Quellen stinkt es fürchterlich nach Schwefel, soll aber sehr gesund sein. Am 22.6. geht es Richtung Messina, wir bewundern die Boote der Schwertfisch-fänger vor Sizilien. Der Bugspriet, auf dem der Harpunier steht ist genauso lang, wie das ganze Boot. Zwei Mann stehen im Krähennest und halten Ausschau nach springenden Schwertfischen. Sobald einer in Sicht kommt, sprintet das Schiff los wie ein Rennwagen. Unsere Zeitberechnung stimmt genau, nachmittags um 16 Uhr gehen wir durch die Straße von Messina und haben den Strom voll mit. Das westliche Mittelmeer verabschiedet uns noch einmal mit einer Brise, so das wir nach unserem Loran C 11 kn. über Grund laufen. Der Fährbetrieb ist enorm, aber wir können Kurs und Geschwindigkeit beibehalten, auch der Großschifffahrtsweg ist kein Problem. So erreichen wir Reggio Calabriai am frühen Abend. Anderntags wird eingekauft und ausklariert. Ich verkaufe noch eine Seekarte Peleponnes, die wir doppelt haben. Ansonsten wird alles vorbereitet für den Törn nach Corfu. Leider ist unser Autopilot kaputt, er hat zuviel Wasser geschluckt.
Mittags gegen 14 Uhr laufen wir aus, Strom und Wind sind mit uns, die Genua ist ausgebaumt, und so rasen wir um die Stiefelspitze. Gegen Abend kommt noch eine Bö und wir wechseln Genua 1 gegen Genua 3, aber eine Stunde später sind wir schon wieder bekalmt. Wir sehen noch einen Schwertfisch, der neben unserem Schiff aus dem Wasser springt, es wirkt wie eine Zeitlupenaufnahme und erscheint endlos lange bis er wieder ins Wasser eintaucht. Mit der Dunkelheit verlieren wir auch den Sichtkontakt mit dem Land. Die Motorerei dauert 24 Std. Der Wind kündigt sich wieder durch starke Dünung an. Der Tag ist unerträglich heiß, auch wenn wir uns zwischendurch mal mit einem Eimer Meerwasser abkühlen. Bei Einbruch der Dunkelheit setzt der Wind ein. Es weht aus ESE. Erst setzen wir Groß und die Genua 1, später Genua 3. Wir surfen die ganze Nacht durch, schießen ein Paar mal in die Sonne und müssen dann doch reffen, da der Winddruck zu. groß wird. Wir gehen in den Wind und uns wird erst mal bewusst wie viel Wind wir wirklich haben. Zum Morgengrauen lege ich mich hin. ne Halluzination hat: Thomas, Thomas, ein Ufo! Aber es ist dann doch die Sonne, die wie eine goldene Scheibe über Albanien aufgeht. Jetzt heißt es nur noch schön dicht an Corfu halten, denn von Albanien hört man nicht viel Gutes.
Am 25.6. Mittags um 13 Uhr klarieren wir in Corfu ein. Fazit, 260 sm in 48 Std., darauf sind wir mächtig stolz. In Corfu ruhen wir uns erstmal richtig aus, mieten uns für 2 Tage ein Moped und schauen uns die Insel an. Außerdem warten wir mal wieder auf Post aus
Deutschland. Als wir zu Hause anrufen sind alle ganz erstaunt. Wie Ihr seid schon da? Wir liegen längsseits an einer südafrikanischen Ketsch: Ulli und Manfred aus Durban. Sie sind letztes Jahr über den Atlantik ,Azoren und Portugal ins Mittelmeer gekommen. Das hört sich schon sehr spannend an und so werden die Abende nicht langweilig Wir segeln dann noch ein Stück zusammen durch die ionische Inselwelt. Ein Super-Segelrevier. Ab 10 Uhr gibt es leichten Wind bis 3 Bf. und Nachts ist Flaute. Auch wenn der Anker nicht richtig packt, ist das nicht so schlimm. Dann stecken wir noch einen an und ein Reitgewicht dazu, so das wir nur noch von dem Gewicht liegen. Der Grund ist sehr har., Da wir manchmal tauchen wird das Geschirr einfach um einen dicken Stein gewickelt. Wir wollen rund Pelepones, da man beim Kanal von Korinth zu sehr der Willkür dar Kanalbehörden ausgesetzt ist wenn das Boot nicht im Schiffsregister eingetragen ist, denn der Preis richtet sich. nach Nettotonnage.
In Kephallonia machen wir einen Ausflug mit dem Moped und besuchen die Sehenswürdigkeiten der Insel.
Es gibt eine Höhle in der Mitte der Insel, wo Ruderboote auf Salzwasser fahren. Man sieht viele Fische in dem glasklarem Wasser. Der nächste Halt ist Katakoulon von dort unternehmen wir mit anderen Yachtis zusammen eine Busfahrt nach Olympia. Wir finden es sehr Enttäuschend, nur kaputte Steine und das. Port Kayo liegt sehr geschützt, auf der Ostseite des mittleren Fingers der Insel Pelepones, und wir bleiben dort direkt für ein paar Tage. Trophy Girl, die wir schon oft gesehen haben, liegt auch dort. Ansonsten haben wir die Bucht für uns alleine. Dann geht’s auf nach Cap Plaleas, zu dem von Mittelmeerseglern gefürchtet Cap. Wir runden es bei Flaute unter Motor. Dann Aufregung an Deck, wir sichten eine Walschule, mit gemischten Gefühlen, einerseits würden wir sie gerne näher sehen, sind aber anderseits froh, dass sie unserm Schiffchen nicht zu nahe kommen. Monemvasia ist dann unser letzter Hafen auf Peleponnes.
Nun geht es in die gefürchtete Ägäis und wir haben den 6. August. Wir brechen morgens um 5 Uhr auf, um die 70 Meilen bis Milos im hellen zu bewältigen. Der Wind morgens 0, und mittags dann 6 Bf, wir benötigen nur 5 Tage bis Kos, da wir die Ägäis nicht sehr einladend finden. Entweder wir haben auch nachts viel Wind oder die Buchten sind ungeschützt. So führt uns unser Törn über Milos, Pholegandros, Ios, Astipalea nach Kos, wo wir ein paar Tage rasten. Nun sind es nur noch 15 Meilen bis in den Orient. An 13 August segeln wir im Süden der Insel Kos entlang. Der Meltemi legt sich noch mal kräftigt ins Zeug, 30 kn Wind, das macht mal wieder richtig Spaß. Kaum sind wir in Bodrum „ Türkei“
vor Anker, ertönt aus den umliegenden fünf Moscheen das "Allah Akbar", na, wenn das keine Begrüßung ist.




 

 

 

 

 

 

 

 

Mit der Stray Cat durch die Ägäis

Copyright © 2002 Thomas Berger
Stand: 06.11.2004